Hier bin ich wieder auf dem Festland nach 6 Tagen auf See.
Wir haben den Golf zum zweiten Mal überquert und diesmal nur zu zweit. Andrew
und ich haben uns in Isla Mujeres dazu entschieden das Boot zurück nach Texas
zu segeln. Mangelnde Ausstattung und die aufkommenden Hurrikanes in der Karibik
haben uns schließlich davor zurückgehalten weiter Richtung Süden zu segeln. Ich
hätte sehr gern die einzelnen Länder die zwischen Mexico und Texas liegen an
der Küste mit dem Boot bereist. Doch habe ich nach der ersten Überquerung des
Golfes erst verstanden wie groß unsere Welt ist. Allein das Segeln nach Costa
Rica hätte mehr als 10 Tage gedauert. Ohne das wir die Küsten erkunden hätten.
Für so eine Reise benötigt man einfach viel mehr Zeit und bessere Vorbereitung.
Andrew hat eine Liste auf www.andrewhodel.com
mit Verbesserungen die er an das Boot anbringen will. Er will es für den
nächsten Großen Törn startklar machen.
So haben wir uns also auf den Weg zurück gemacht und uns von
Lukas und Max getrennt, die mit dem Rucksack Zentralamerika erkunden und sich
die Maja Ruinen und sicherlich die eine oder andere Bar ansehen werden. Wir
hatten auf den Törn zurück nach Port Aransas, Texas gewiss andere Erlebnisse
als unsere beiden Freunde die zu Fuß unterwegs sind. Wenn man 6 Tage unterwegs
ist und ständig die Verantwortung hat das Boot sicher über den Golf zu steuern
und sich an Wind und Strömungsverhältnisse anpassen muss, kann dies schon an
persönliche Grenzen stoßen. Ich habe mich das eine oder andere Mal gefragt,
warum ich mir diese Reise überhaupt antue, warum ich nicht einfach in ein Flugzeug
mit dem ich die Strecke innerhalb von zwei Stunden zurücklegen könnte steige.
Warum ich mich der Gefahr des Meeres und der täglich hohen Temperatur
ausliefere. Ich frage mich immer noch wie ich mit so wenig Schlaf ausgekommen
bin. Alle paar Stunden hat sich der Wind geändert und wir mussten das Segel
trimmen egal ob wir schlafen wollten oder nicht.
Da wir den Wind jedoch diesmal auf den Weg nach Norden im
Rücken hatten konnten wir in einer geraden Linie den Golf bis zu unserem Ziel überqueren.
Wir sind die ganze Strecke ohne Vorsegel gesegelt, weil nur das Hauptsegel dazu
geeignet ist den Rückenwind zu nutzen. Um zu verhindern, dass das Hauptsegel durch
Wellengang umschlägt und somit zu einer gefährlichen Waffe werden konnte,
mussten wir es jedes Mal wenn sich der
Wind leicht verändert hatte neu fixieren. So ein umschlagender Mast kann sehr
gefährlich werden. Die See war so gar nicht das gefährlichste, eher das Boot
selber. Die Strömung war diesmal ideal und die ganze Strecke hatten wir die Wellen
im Rücken und konnten so Richtung Norden „surfen“. Auch wenn die Reise
schwierig war konnten uns diese Umstände eine leichteren Weg Richtung Norden
bereiten.
Ich habe mir oft die
Frage gestellt, warum ich diese Reise mit dem Segelboot überhaupt auf mich
nehme. Da der Display meines Kindles auf der Überfahrt einen Defekt bekommen
hat und ich die Bücher die ich lesen wollte nicht lesen konnte, hatte ich sehr
viel Zeit zum Nachdenken. Ich denke jetzt, dass wir Menschen im Leben
Herausforderungen Geschenkt bekommen, an denen wir wachsen können. Um die
Herausforderungen, die wir entgegnen, müssen wir unseren Ängsten stellen und
uns mit der Gewissheit konfrontieren, dass wir in der Tat verletzbare Wesen
sind und unsere Wunden davontragen werden, egal welche Vorsichtsmaßnahmen wir
vornehmen. Wir reiten auf der Welle des Lebens und wir müssen versuchen das
Beste aus ihr zu machen und die Welle wertschätzen, die wir erwischt haben. Ich
bin dankbar für das was ich auf dieser Reise erleben konnte und welche Dinge
ich sehen konnte. Ich habe noch nie vorher die Sterne so gut sehen können. Mit bloßem
Auge konnte ich sehen in was für einem gigantischen Universum wir leben. Es
fühlte sich öfter so an als wären wir in einem Raumschiff auf dem Weg durch die
Galaxie. Man fühlt sich klein in der Mitte des Meeres mit so einem Blick der
sich nachts offenbart und man beginnt darüber nachzudenken, woher man kommt was
man ist und wohin man gehen wird. Wie das Universum ist die Vielfalt des
menschlichen Dasein unendlich und wenn wir die Augen offen halten bieten uns
unendliche Möglichkeiten wie wir unser Leben hier gestalten wollen mit der Zeit
die wir noch haben. Denn auch unsere Zeit wird früher oder später vorbei sein, egal
wie vorsichtig wir sind und welche Vorbereitungen wir treffen.
Ich habe noch einen Monat, bis ich wieder in Deutschland bin
und am 6 September nehmen wir einen Flug von Houston nach Costa Rica wo wir
hoffentlich unsere beiden Freunde Lukas und Max wieder sehen werden. Ich kann
es kaum erwarten die tollen Wellen von Tamarindo zu Surfen.
Hier sind einige Bilder und Videos von meiner Reise:
Hier ein paar Videos:
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