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Dienstag, 28. August 2012


Hier bin ich wieder auf dem Festland nach 6 Tagen auf See. Wir haben den Golf zum zweiten Mal überquert und diesmal nur zu zweit. Andrew und ich haben uns in Isla Mujeres dazu entschieden das Boot zurück nach Texas zu segeln. Mangelnde Ausstattung und die aufkommenden Hurrikanes in der Karibik haben uns schließlich davor zurückgehalten weiter Richtung Süden zu segeln. Ich hätte sehr gern die einzelnen Länder die zwischen Mexico und Texas liegen an der Küste mit dem Boot bereist. Doch habe ich nach der ersten Überquerung des Golfes erst verstanden wie groß unsere Welt ist. Allein das Segeln nach Costa Rica hätte mehr als 10 Tage gedauert. Ohne das wir die Küsten erkunden hätten. Für so eine Reise benötigt man einfach viel mehr Zeit und bessere Vorbereitung. Andrew hat eine Liste auf www.andrewhodel.com mit Verbesserungen die er an das Boot anbringen will. Er will es für den nächsten Großen Törn startklar machen.

So haben wir uns also auf den Weg zurück gemacht und uns von Lukas und Max getrennt, die mit dem Rucksack Zentralamerika erkunden und sich die Maja Ruinen und sicherlich die eine oder andere Bar ansehen werden. Wir hatten auf den Törn zurück nach Port Aransas, Texas gewiss andere Erlebnisse als unsere beiden Freunde die zu Fuß unterwegs sind. Wenn man 6 Tage unterwegs ist und ständig die Verantwortung hat das Boot sicher über den Golf zu steuern und sich an Wind und Strömungsverhältnisse anpassen muss, kann dies schon an persönliche Grenzen stoßen. Ich habe mich das eine oder andere Mal gefragt, warum ich mir diese Reise überhaupt antue, warum ich nicht einfach in ein Flugzeug mit dem ich die Strecke innerhalb von zwei Stunden zurücklegen könnte steige. Warum ich mich der Gefahr des Meeres und der täglich hohen Temperatur ausliefere. Ich frage mich immer noch wie ich mit so wenig Schlaf ausgekommen bin. Alle paar Stunden hat sich der Wind geändert und wir mussten das Segel trimmen egal ob wir schlafen wollten oder nicht.

Da wir den Wind jedoch diesmal auf den Weg nach Norden im Rücken hatten konnten wir in einer geraden Linie den Golf bis zu unserem Ziel überqueren. Wir sind die ganze Strecke ohne Vorsegel gesegelt, weil nur das Hauptsegel dazu geeignet ist den Rückenwind zu nutzen. Um zu verhindern, dass das Hauptsegel durch Wellengang umschlägt und somit zu einer gefährlichen Waffe werden konnte, mussten wir es jedes  Mal wenn sich der Wind leicht verändert hatte neu fixieren. So ein umschlagender Mast kann sehr gefährlich werden. Die See war so gar nicht das gefährlichste, eher das Boot selber. Die Strömung war diesmal ideal und die ganze Strecke hatten wir die Wellen im Rücken und konnten so Richtung Norden „surfen“. Auch wenn die Reise schwierig war konnten uns diese Umstände eine leichteren Weg Richtung Norden bereiten.

 Ich habe mir oft die Frage gestellt, warum ich diese Reise mit dem Segelboot überhaupt auf mich nehme. Da der Display meines Kindles auf der Überfahrt einen Defekt bekommen hat und ich die Bücher die ich lesen wollte nicht lesen konnte, hatte ich sehr viel Zeit zum Nachdenken. Ich denke jetzt, dass wir Menschen im Leben Herausforderungen Geschenkt bekommen, an denen wir wachsen können. Um die Herausforderungen, die wir entgegnen, müssen wir unseren Ängsten stellen und uns mit der Gewissheit konfrontieren, dass wir in der Tat verletzbare Wesen sind und unsere Wunden davontragen werden, egal welche Vorsichtsmaßnahmen wir vornehmen. Wir reiten auf der Welle des Lebens und wir müssen versuchen das Beste aus ihr zu machen und die Welle wertschätzen, die wir erwischt haben. Ich bin dankbar für das was ich auf dieser Reise erleben konnte und welche Dinge ich sehen konnte. Ich habe noch nie vorher die Sterne so gut sehen können. Mit bloßem Auge konnte ich sehen in was für einem gigantischen Universum wir leben. Es fühlte sich öfter so an als wären wir in einem Raumschiff auf dem Weg durch die Galaxie. Man fühlt sich klein in der Mitte des Meeres mit so einem Blick der sich nachts offenbart und man beginnt darüber nachzudenken, woher man kommt was man ist und wohin man gehen wird. Wie das Universum ist die Vielfalt des menschlichen Dasein unendlich und wenn wir die Augen offen halten bieten uns unendliche Möglichkeiten wie wir unser Leben hier gestalten wollen mit der Zeit die wir noch haben. Denn auch unsere Zeit wird früher oder später vorbei sein, egal wie vorsichtig wir sind und welche Vorbereitungen wir treffen.

Ich habe noch einen Monat, bis ich wieder in Deutschland bin und am 6 September nehmen wir einen Flug von Houston nach Costa Rica wo wir hoffentlich unsere beiden Freunde Lukas und Max wieder sehen werden. Ich kann es kaum erwarten die tollen Wellen von Tamarindo zu Surfen.

Hier sind einige Bilder und Videos von meiner Reise:



















Hier ein paar Videos:



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